Wie eine kleine App drei Apple-Revolutionen überlebte

Dreimal hat sich das Fundament grundlegend verschoben, auf dem man Software für das Apple iPhone entwickelt. Nachdem Steve Jobs 2007 das erste iPhone vorgestellt hatte, war es zunächst ein abgeschlossenes System: Nur Apple konnte Software für das iPhone bereitstellen. Erst 2008 kam der Startschuss für den eigentlichen Siegeszug des iPhone: Apple öffnete die Plattform mit dem iPhone SDK und dem dazugehörigen App Store — einer völlig neuen Art, wie Applikationen weltweit vertrieben werden. Dann — mit Swift — eine völlig neue Programmiersprache. Und jetzt — mit KI — eine neue Art zu programmieren. Und dreimal habe ich dieselbe kleine App mit in die neue Welt genommen, um herauszufinden, was möglich geworden ist.

Die App heißt CompareMe. Die Idee ist fast schon peinlich einfach, und sie hat sich in siebzehn Jahren nicht geändert: Stell zwei Produkte gegenüber und sieh, welches *wirklich* günstiger ist — auch wenn das eine Produkt eine 400-g-Packung für 3,24 € ist und das andere eine 340-g-Packung für 2,95 €. Aber die App tut mehr, als nur das Schnäppchen zu zeigen. Sie sagt dir, *um wie viel* du sparst — oder draufzahlst. Denn günstiger ist nicht immer besser, und Menschen wollen sich nicht vorschreiben lassen, was sie kaufen. Sie wollen wissen, wie viel Aufpreis sie zahlen müssen oder was sie wirklich sparen. Damit haben sie als Nutzer die Freiheit, selbst zu entscheiden.

Dabei wollte ich nicht darüber theoretisieren, wie so eine App funktionieren sollte. Ich wollte es bauen, verkaufen und beweisen: Nutzer sind bereit, für eine nützliche Applikation mit gut gestaltetem Userinterface wirklich zu bezahlen. Bauen, verkaufen, beweisen … diesem Prinzip bin ich immer treu geblieben, auch wenn ich alles von Grund auf neu aufbaute.

2008: iPhone SDK mit App Store — ein neuartiger Vertriebskanal

Das Revolutionäre, das Apple 2008 vorstellte, war nicht nur das iPhone SDK. Es war mit dem App Store der eingebaute Vertriebskanal. Mit einem Paukenschlag konnte man als Entwickler weltweit Apps mit dem iPhone SDK entwickeln und über den App Store vom ersten Tag an verkaufen.
Apple hatte den richtigen Riecher und eine treue, eingeschworene Entwickler-Community. Diese Community störte sich auch nicht daran, dass Applikationen nur auf dem Mac und nur mit der Programmiersprache Objective-C entwickelt werden konnten. Neue, unentdeckte Welten — faszinierend. Also tauchte ich ein. Die Apple-Entwicklerkonferenz WWDC 2008 war der Startpunkt: Eintauchen in die Einführungen und Kommentare zu den veröffentlichten SDKs. Austausch mit Entwicklern rund um den Globus. Wir alle mussten gleichzeitig herausfinden, wie es geht. Jede Zeile Programmcode fühlte sich an wie ein Schritt auf einen neuen Kontinent. Ende Dezember 2008 war die erste Version von CompareMe fertig und ging bei Apple in die Prüfung. Anfang Januar 2009 war es dann endlich so weit: CompareMe wurde weltweit im App Store veröffentlicht. 

Dann gingen eines Tages die Verkaufszahlen durch die Decke. Es war surreal. Ich hatte keine Ahnung, warum — bis ein Nutzer namens Ben mir eine Frage schrieb. Ich antwortete und fragte, ganz nebenbei, woher er CompareMe kenne. Seine Antwort, genauso beiläufig:

„Btw — I discovered your app via the Apple full-page ad in either the WSJ or NYT a few days ago."

„Helping you stretch your budget, one app at a time", so titelte Apple auf Ganzseitenanzeigen — mit einer handverlesenen Auswahl an Spar-Apps, jede in ihrem eigenen Feld. CompareMe war eine davon, mit eigenem Text und dem Preis von 1,99 $. Sie lief am 9. April 2009 auf der Rückseite des Wall Street Journal und am 4. Mai auf der Rückseite des New Yorker (siehe Bild oben). Mit der Anzeige machte Apple radikal deutlich, dass es bei Smartphones nicht mehr um das Telefonieren ging … sondern um das Lösen von alltäglichen Problemen mit kleinen Helferlein — den Apps.

Der direkte Effekt war kleiner als die Legende, die später darum entstand — ein paar tausend Downloads über diese Wochen, mit meinem besten Tag überhaupt an jenem Ostersonntag. Aber das war 2009, als weit weniger Menschen ein iPhone in der Tasche hatten: Ein paar tausend Downloads aus einer einzigen Anzeige waren ein echter Ausschlag — und sie legten den Grundstein für das mit Abstand beste Jahr der App.

Es war nicht die Goldgrube, für die viele es halten. Aber damals war es atemberaubend — und mehr als das Geld war es ein Beweis. Der Beweis, dass man mit dem Bauen für diese Plattform tatsächlich etwas verdienen konnte, dass der App Store ein echtes Geschäft war und nicht nur ein Hobby mit hübschem Icon. In den siebzehn Jahren seither hat CompareMe mehr als 15.000 Mal einen Käufer gefunden. Die Anzeige war nicht der Jackpot. Sie war der Zündfunke.

2014: Swift – Neustart Programmiersprache

Dann, Jahre später, verschob sich der Boden erneut — und diesmal war es wirklich das Fundament. Auf der WWDC 2014 sah ich, wie Craig Federighi den Schleier über Swift lüftete: eine brandneue Sprache, von Grund auf neu gebaut. Alle Erfahrungen der letzten Jahrzehnte mit Objective-C waren eingeflossen. Faszinierende Möglichkeiten — weniger spannend für den iPhone-Nutzer, umso spannender für uns Nerds.

Ich war wieder Feuer und Flamme. Es liegt eine besondere Freude darin, die ersten Spezifikationen und Richtlinien in dem Moment zu lesen, in dem Apples Ingenieure sie fertigstellen — gemeinsam mit einer ganzen Entwicklercommunity eine neue Programmiersprache zu lernen. Gemeinsam ganz von vorne anzufangen. Reiner Pioniergeist. Der Austausch: in Blogposts, auf Konferenzen und auf Twitter 😉

Und CompareMe war der perfekte Kandidat für den radikalen Schritt: nicht flicken, sondern komplett in Swift neu schreiben. Neue Sprache, neues SDK, dieselben Nutzer, dieselben Bedürfnisse.

ObjC vs Swift

2026: KI – Coding mit Assistent

Und jetzt wieder so ein revolutionärer Umbruch. Diesmal hat sich nicht geändert, *wo* ich veröffentliche oder in *welcher* Programmiersprache das Programm verfasst ist. Diesmal hat sich geändert, *wie* man überhaupt Code schreibt.

Mein Ansatz hat sich kein bisschen geändert: tief eintauchen, die Möglichkeiten und die Grenzen entdecken und es durch Bauen beweisen. In diesem Frühjahr habe ich CompareMe in etwa fünfzehn Tagen von Grund auf neu gebaut — rund 220 Commits — mit einer KI als Partner. iOS 26. Swift 6 mit strenger Concurrency. Ein kompletter Umzug von UIKit zu SwiftUI und von Core Data zu SwiftData. Durchgängige Umsetzung von Apples neuem Userinterface-Konzept Liquid Glass, Dark Mode, Barrierefreiheit — und Lokalisierung in vier Sprachen, Französisch und Portugiesisch stehen bereits in den Startlöchern.

Aber der Neuaufbau war nie der Zweck. Er war das Mittel. Die saubere neue Architektur machte endlich das eine Feature möglich, um das mich die Leute seit über einem Jahrzehnt gebeten hatten: einen Vergleich speichern und zwischen gespeicherten Vergleichen wechseln. Das ist eines der Features in CompareMe 4.0 — und es funktioniert bestens. Und doch bleibt die alte Grundidee von 2009 im Zentrum: der direkte Vergleich von Produkten in verschiedenen Packungsgrößen.

Dazu die Umstellung auf das heute übliche Geschäftsmodell bei Apps: Statt des ursprünglichen Einmalkaufs — der trotz großer Nutzerbasis die Pflege und Weiterentwicklung der Software erschwert — ist die Applikation jetzt in ihrem Kern als Freemium-App kostenfrei nutzbar. Pro-Features gibt es im Jahresabo — kostenlos testbar — oder als einmaligen Lifetime-Kauf, zum Start zum Founder-Preis.

Und keine Sorge: Die treuen Kunden, die in den letzten 17 Jahren die App gekauft haben, habe ich nicht vergessen: Sie bekommen direkt das Lifetime-Pro-Paket. Keine zusätzlichen Kosten. Das ist keine Marketing-Geste, sondern ein Dankeschön an alle, die CompareMe über all die Jahre möglich gemacht haben.

ObjC vs Swift

Die Frage, die ich mir immer wieder stelle

Drei Revolutionen, eine Idee, jedes Mal derselbe sture Instinkt: Wenn sich der Boden verschiebt, klammerst du dich nicht an das, was du gebaut hast — du nimmst es mit in die neue Welt und findest heraus, was jetzt möglich ist.

In den kommenden Wochen erzähle ich die ganze Geschichte in Etappen: wie das Apple-Feature wirklich zustande kam, was mich die stillen Jahre dazwischen gelehrt haben, und wie es sich tatsächlich anfühlt, eine siebzehn Jahre alte App mit einer KI neu zu bauen — wo es sich wie Magie anfühlte und wo sie mir bei jedem Schritt Widerstand leistete.

CompareMe 4.0 ist jetzt live. Die Idee, mit der alles begann, steht noch immer genau dort — in der Mitte des Bildschirms.

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